{"id":3368,"date":"2015-01-02T09:16:33","date_gmt":"2015-01-02T07:16:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/?p=3368"},"modified":"2015-01-02T09:16:33","modified_gmt":"2015-01-02T07:16:33","slug":"gloryhunting-ohne-glory-dafuer-wird-alles-frittiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/gloryhunting-ohne-glory-dafuer-wird-alles-frittiert\/","title":{"rendered":"Gloryhunting ohne Glory \u2013 daf\u00fcr wird alles frittiert!"},"content":{"rendered":"<p>Zwischendurch und weil Saure-Gurken-Zeit ist, was Sportclub &amp; Ostliga betrifft, mal wieder ein paar Zeilen \u00fcber einen Ausflug in fremde Gefilde &#8211; Liverpool ist der Schauplatz des Geschehens.<!--more--><\/p>\n<p>Wer jahrelang auf den Sportclub-Platz geht, der darf auch mal erkunden, wie sich Gloryhunting so anf\u00fchlt. Und so wird der Weg des geringsten Widerstands gegangen, die Fanreise nach Liverpool, Sehnsucht meiner Kindheitstr\u00e4ume, gebucht \u2013 als Konzession an das schlechte Gloryhunting-Gewissen wird dann aber nicht Real Madrid oder Chelsea gebucht, nein, Hull City am 25.10. sollte es werden (die nationalfeiert\u00e4gliche Gulaschkanone am Heldenplatz wird somit traditionell verpasst &#8211; die Trauer darob h\u00e4lt sich &#8211; wie allj\u00e4hrlich &#8211; in sehr \u00fcberschaubaren Grenzen).<\/p>\n<p>Am Ankunftsflughafen Manchester muss aufgrund eines knapp verpassten Anschlusszuges noch etwas l\u00e4nger verweilt werden, bevor der n\u00e4chste Zug seinen Zweck erf\u00fcllt &#8211; die Infrastruktur-Offensive der \u00d6BB f\u00e4llt jetzt aber so richtig auf. Man ist versucht nachzusehen, ob beim Antrieb des Zuges nicht die gute, alte Fred Feuerstein Methode In Liverpool angekommen wird erst mal Punkt 1 abgehakt \u2013 Fish &amp; Chips (yes, we&#8217;re tourists). Zwei Schritte weiter \u2013 Queen&#8217;s Square. Die Fu\u00dfballkultur in dieser Stadt ist un\u00fcbersehbar \u2013 der erste von vielen Marktstandln, die Devotionalien aller Art feilbieten, weist darauf hin, dass Rot (und a bissl Blau) in dieser Stadt eine gewichtige Rolle spielen.<\/p>\n<p>Im Shopping-Wonderland des ersten Liverpool-Shops wird im Merch-Sortiment gustiert, w\u00e4hrend diverse kaufw\u00fctige Touristen den BIP-Gegenwert kleinerer afrikanischer L\u00e4nder zur Kasse schleppen. Bevor morgen der gro\u00dfe Tag kommt, wird in einem weiteren Pub Fulham gegen Charlton begutachtet. \u201eHapless Charlton defeated by convincing Fulham\u201c wie die Zeitungen am n\u00e4chsten Tag schreiben werden. Am Matchtag geht\u2019s dann per Spaziergang ca 3,5 km zum Stadion. Ein am Weg gelegenes Pub entpuppt sich als Fanbeisl-Kleinod \u2013 die Erinnerung an die 96 ist allgegenw\u00e4rtig. Und \u00fcbrigens der Wirt vom Pub erinnert stark an Mr. Klopek aus \u201eMeine Teuflische Nachbarn\u201c (leider werden keine Sardinen &amp; Brezeln gereicht \u2013 wer den Film halt schon mal gesehen hat).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend man durch typisch englische Siedlungen mit gleichbleibenden H\u00e4uschen geht, die einem Minimundus-Architektenhirn entsprungen zu sein scheinen, sieht man pl\u00f6tzlich Anfield. Sch\u00f6n, dass man angekommen ist.<\/p>\n<p>Rund ums Stadion ist der Auftrieb schon ziemlich beeindruckend \u2013 Tausende (!) Leute, w\u00e4lzen sich rund ums Stadion, in den Fanshop, der das eine oder andere Mal kurzfristig wegen \u00dcberf\u00fcllung gesperrt werden muss (es bilden sich trotz hohen Touristenanteils aber diszipliniert stehende Schlangen, die jedem Queuing Fan Freudentr\u00e4nen in den Augen treiben w\u00fcrden).\u00a0Der Family Park hinter dem Stadion f\u00fcllt sich bereits bestens mit Eltern und Kindern \u2013 wie \u00fcberhaupt auff\u00e4llt: Jugendliche finden sich kaum. Entweder man sieht Eltern mit Kindern oder eher schon die Generation 40+ &#8211; die dunkle Kehrseite der Premier League Preisentwicklung macht sich in der Demographie der Stadionbesucher deutlich bemerkbar und irgendwie wei\u00df man, dass eine Fanreise, wie man sie selbst unternimmt, an dieser Entwicklung nicht unschuldig ist.<br \/>\nMit einer pers\u00f6nlichen und bisher vermiedenen Weltpremiere wartet der weitere Konsum alkoholischer Getr\u00e4nke auf: erstmals wird Bier aus einer Plastikflasche konsumiert. Abschlie\u00dfendes Fazit: naja!<\/p>\n<p>Rein ins Stadion geht\u2019s \u00fcber Turnstiles allerengster Auspr\u00e4gung (der durchschnittliche (und somit extrem \u00fcbergewichtige) Besucher aus dem sch\u00f6nen US-Bundesstaat Mississippi h\u00e4tte hier wohl schon ein gro\u00dfes Problem, allerdings auch eine gro\u00dfe Freude mit der reichhaltigen Palette an deep fried cuisine). Bemerkenswert: die Taschenkontrolle war RLO-verd\u00e4chtig. Sehr sympathisch.<br \/>\nNachdem man den Frittier-Schwaden drau\u00dfen entronnen ist, tauscht man sie gegen Frittier-Schwaden drinnen. Der Trend zur gesunden Ern\u00e4herung ist hier definitiv ein Mythos.\u00a0\u00dcber enge Treppen geht\u2019s raus und man sieht erstmals die St\u00e4tte der Sehnsucht und freut sich ganz damisch, dass man jetzt wirklich da ist.<br \/>\nAb geht\u2019s in die letzte Reihe unter&#8217;m Dach (w\u00e4hrend man sich fragt, wie zum Teufel, die am Dach befestigten Neonr\u00f6hren in luftiger H\u00f6he jemals ausgetauscht werden). Neben mir hat bereits ein chinesisches P\u00e4rchen Platz genommen \u2013 die junge Dame arbeitet vor dem Match noch eifrig an der Klischeeerf\u00fcllung und studiert am Tablet noch einen Mathematik-Kurs.<br \/>\nW\u00e4hrend 15 Uhr n\u00e4her r\u00fcckt, drehen die Ladies von Liverpool mit dem vor kurzem errungenen Meisterpokal unter tosendem Applaus eine Ehrenrunde im mittlerweile vollbesetzten Stadion. Auch der Away-Support aus Hull beteiligt sich mit sympathischer Akklamation der Meisterinnen.<br \/>\nAm Kop wird zu Spielbeginn noch per Transparent \u201e\u00a3nough is \u00a3nough\u201c auf die horrenden Eintrittspreise hingewiesen (wieder regt sich a bissl schlechtes G&#8217;wissen \u00fcber die eigene Beteiligung an dieser Spirale).\u00a0 Liverpool ist zu Beginn besser, so richtig will das Match aber dann auch den Funken nicht \u00fcberspringen lassen. Der Kop \u00fcbt sich in vornehmer Zur\u00fcckhaltung, lediglich ab und zu l\u00e4sst sich erahnen, was hier los ist, wenn der Support so richtig losgeht. Daf\u00fcr sind die Hull Fans in ihrem Enthusiasmus erstaunlich. Aufgrund des mauen Heim-Supports f\u00e4llt dann auch die eine oder andere Anspielung auf die angebliche Bibliotheksatmosph\u00e4re (ganz so schlimm war&#8217;s aber nicht). Der heimische Support weist mit deutlichem \u201ePssst\u201c darauf hin, dass in B\u00fcchereien gewisse Lautst\u00e4rke-Regelungen einzuhalten sind.<\/p>\n<p>Die erste Halbzeit bietet nicht allzuviel \u2013 irgendwie tr\u00f6stlich, wenn man sieht, dass Fu\u00dfball auch in der Premier League nicht unbedingt besser sein muss als auf heimischen Ostliga-Pl\u00e4tzen (daf\u00fcr passieren die Fehler in h\u00f6herem Tempo). In der Halbzeit \u2013 und das muss dann sein \u2013 wird der \u00f6rtliche Lokus aufgesucht. True Austrian Style schmuggle ich mich in der Schlange ein wenig nach vor (es hat aber auch schon sehr pressiert, um mich f\u00fcr diese meine Unh\u00f6flichkeit zu entschuldigen). In einer Pissrinne klassischsten Zuschnitts wird die Blase erleichtert, w\u00e4hrend sich verz\u00fcckt rollende Augen der Nebenstehenden von der allgemein gegenw\u00e4rtigen Reduktion gro\u00dfen Blasendrucks zeugen.\u00a0Und so w\u00e4lzt sich dann der Strom derjenigen wieder raus, die das Gesch\u00e4ft verrichtet haben \u2013 wieder geht\u2019s durch engste \u00d6ffnungen raus. Die typisch britische Enge des Stadions, sie erstreckt sich also auch auf die sanit\u00e4ren Einrichtungen.<\/p>\n<p>H\u00e4lfte zwei wird dann auch nicht viel besser. Hull hat sogar die eine oder andere M\u00f6glichkeit \u2013 mit der Einwechslung von Coutinho wird das Spiel von Liverpool aber deutlich ansehnlicher. Gegen Ende bietet sich durch seine L\u00e4ufe die eine oder andere Chance, ganz am Schluss vergibt Balotelli (der \u00fcbrigens an jenem Tag sicherlich nicht so schlecht war, wie er in der \u00d6ffentlichkeit oft dargestellt wird \u2013 und das Urteil f\u00e4llt als Zweifler an dieser Verpflichtung durchaus schwer) gar die ganz gro\u00dfe Chance. Letzten Endes bleibt&#8217;s beim torlosen Remis (eine Verschw\u00f6rung, die mich dazu zwingen wird, zur\u00fcckzukehren, um einen Torjubel erleben zu d\u00fcrfen).<\/p>\n<p>Beim R\u00fcckweg ins Hotel freut sich der Reisebegleiter \u00fcber ein ins Auge stechendes Vienna Pickerl am Stra\u00dfenrand \u2013 es wird sofort mit einem Sportclub Sticker erg\u00e4nzt. Was sein muss, muss sein.<\/p>\n<p>Der Weg von und zur Abendgestaltung mit einem Club-Besuch (Mr. Scruff \u2013 interessantes Set \u00fcbrigens) f\u00fchrt noch die erstaunliche Temperatur-Resistenz der lokalen Jugend vor. Man m\u00f6chte den bibbernden Damen mitleidigerweise seine Jacke leihen, doch die jungen Damen (und die jungen Buam sowieso) haben ohnehin augenscheinlich vor das K\u00e4lteempfinden mittels Alkoholkonsum ein f\u00fcr alle Mal in die Knie zu zwingen.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Tag wird dann der Heimreise gewidmet. Wieder geht\u2019s mit einem Zug, dessen beste Tage schon l\u00e4nger hinter ihm liegen, gen Flughafen. Dort wird einem vor Augen gef\u00fchrt, warum man so gern hier war: selbst die Securities lassen sich bei der Kontrolle gern in ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Fu\u00dfball verwickeln. Der Kontrolleur schildert sein Leiden als Leeds-Fan (zu diesem Zeitpunkt war Milanic sogar noch im Amt). Als Sportclub-, respektive Vienna Fan konnten\u00a0wir hier auch die eine oder andere Anekdote beisteuern und mit Verweis auf ansonsten Austrian Third League Action das ge\u00e4u\u00dferte Unverst\u00e4ndnis \u00fcber die Liverpool Anh\u00e4ngerschaft abschw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Den Kontrast zur Freundlichkeit der britischen Airport-Security bietet dann \u00fcbrigens deutsche Unfreundlichkeit am Flughafen in Frankfurt &#8211; und das war dann einfach nur m\u00fchsam.<\/p>\n<p>Big up &amp; nuff thx an dieser Stelle an die werte Reisebegleitung, Puppa R. &#8211; es war mir eine Freude!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischendurch und weil Saure-Gurken-Zeit ist, was Sportclub &amp; Ostliga betrifft, mal wieder ein paar Zeilen \u00fcber einen Ausflug in fremde Gefilde &#8211; Liverpool ist der Schauplatz des Geschehens.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[173],"class_list":["post-3368","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-groundhopping"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3368","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3368"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3368\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3426,"href":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3368\/revisions\/3426"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3368"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3368"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3368"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}