{"id":5690,"date":"2019-10-27T10:59:30","date_gmt":"2019-10-27T08:59:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/?p=5690"},"modified":"2019-10-27T19:39:36","modified_gmt":"2019-10-27T17:39:36","slug":"gegen-jeden-antisemitismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/gegen-jeden-antisemitismus\/","title":{"rendered":"Antisemitismus hat hier keinen Platz (mehr)!"},"content":{"rendered":"<p>Als Mitglied eines Vereins tendiert man gerne dazu, die eigene Vergangenheit in einem weicheren Licht zu sehen. Es ist daher immer etwas schmerzhaft, sich mit den dunklen Seiten der eigenen Vereinsgeschichte zu besch\u00e4ftigen. Aber gerade deswegen sehen es die Freund_innen der Friedhofstrib\u00fcne als Verpflichtung an, kritisch zur\u00fcckzublicken. Wenn sich der Sport-Club auf seine \u00fcber 130-j\u00e4hrige Geschichte beruft\u00a0 und das tut er und auch wir als Freund_innen der Friedhofstrib\u00fcne gerne, d\u00fcrfen auch die weniger angenehmen Seiten des Vereins nicht verschwiegen werden. Wer die Erfolge feiert, darf die dunklen Kapitel nicht vergessen.<\/p>\n<p>Die eigene Geschichte ist eben nicht nur eine der sportlichen Erfolge und Misserfolge, sondern auch ein Spiegelbild der Zeit, eine soziale und politische Geschichte. Niemals ist ein Verein eben nur und ausschlie\u00dflich dem Sport verpflichtet. Sport ist immer auch Politik, wenn auch nicht zwingend Parteipolitik. Das zeigt sich besonders am Wiener SportClub und seiner Entwicklung vom b\u00fcrgerlich deutschnationalen, streng antisemitischen Honoratiorenverein zum heutigen Stadtteilverein mit alternativem Image. Der Wiener Sport-Club war lange ein zutiefst antisemitischer Verein, auch wenn es bis 1938 nach derzeitigem Wissensstand keinen sogenannten Arierparagrafen gab. Juden wurden hier nicht Mitglied. Dazu ein Zitat aus dem Illustrierten Sportblatt vom 29.7.1922: \u201eDer Sportklub hat keine Juden unter seinen Mitgliedern; er hat zwar nicht den ber\u00fchmten und ber\u00fcchtigten Arierparagraphen in seinen Satzungen, die verschiedenen Wurzeln des Vereines sind aber selbst auf demselben Standpunkte gestanden. So hat sich eine vielj\u00e4hrige Tradition herausgebildet, die st\u00e4rker ist als ein gedrucktes Wort und heute bereits in Wien als eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit angesehen und respektiert wird.\u201c Es war also eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass der WSC keine Juden aufnahm. Der WSC war damit im Wiener Spitzenfu\u00dfball ein Unikum, in faktisch allen anderen Vereinen der obersten Ligen waren j\u00fcdische Wiener in den verschiedensten Funktionen t\u00e4tig. Ganz anders als zum Beispiel in den Bundesl\u00e4ndern, wo Juden ebenfalls von vielen Fu\u00dfballvereinen ausgeschlossen waren.<\/p>\n<p>Der Antisemitismus der 20er- und 30er-Jahre zeigt wie schnell der Weg von Ablehnung, Vorurteilen, der Betonung vermeintlicher Unterschiede \u00fcber Abwertung, Ausschluss, Verachtung hin zu Gewalt, Mord und Vernichtung ist. Auch der Wiener Sport- Club hat dazu einen Beitrag, wenn auch einen kleinen, geleistet, Antisemitismus selbstverst\u00e4ndlich zu machen. Dieser b\u00fcrgerliche Antisemitismus Luegerscher Pr\u00e4gung, tief verwurzelt in der christlichsozialen und den deutschnationalen Parteien \u00d6sterreich-Ungarns und der Zwischenkriegszeit, war eine Vorbedingung f\u00fcr den viel radikaleren, von Vernichtungswillen getragenen Antisemitismus der Nationalsozialisten.<\/p>\n<p>Die Lehre aus der eigenen Geschichte kann nur Offenheit und Toleranz und Widerstand gegen Intoleranz, Rassismus und Diskriminierungen jeglicher Form hei\u00dfen. Antirassismus und demokratische Mitbestimmung d\u00fcrfen \u2013 man sehe sich nur die aktuelle Weltlage an \u2013 nie als selbstverst\u00e4ndlich angesehen werden. Offenheit und Toleranz, Antirassismus, Antisexismus, Antihomophobie und der Kampf gegen Antisemitismus m\u00fcssen immer wieder neu verhandelt, neu gedacht und teilweise auch neu erk\u00e4mpft werden, auch gegen die Bequemlichkeit im eigenen Verein. Antisemitismus darf auf diesem Platz nie wieder einen Platz haben.<\/p>\n<p><a class=\"profileLink\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/hashtag\/fareactionweek?fref=mentions&amp;__xts__%5B0%5D=68.ARBE4S21cdiTYO40olpilWXz8RZdgbmg3NtSyvSLkFkGhRoocbXZn0WKzjP03pPupnEgMExOhps4E4LhNvr0uv5uxXKu1SVjMleNr21rETinOEWOfS0ZDklzXPVe1h1ZcULhi9DlAJO4VzRbK01QXPaFd8TmrCBOYWQ6SBq4KHwHAz-mePCWeiBrk9D46hMTWjqwSHo7bKvfBAuQFvUpi_Bf5AXBR4b_Fviy9dri2wTS1d0KhKfEekhMuJEDTRV1OWw8OYSLm9djaOzYVLZx3dP9IdDb6VVF9qn_DDwLdyAhz4UhfRYCgT-MxoPdjw254pKJUdSlrQD7AVP_SpQuByc9nzFZ&amp;__tn__=K-R\">#fareactionweek<\/a><br \/>\nMehr dazu auch im neuen schwarz auf weiss und auf unserem Bezirksrundgang am 10.11 (13.00 Uhr Treffpunkt Vorplatz U6 Josef St\u00e4dter Strasse)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/73216822_2535256040078073_5833655908365762560_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5691\" src=\"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/73216822_2535256040078073_5833655908365762560_n-300x205.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/73216822_2535256040078073_5833655908365762560_n-300x205.jpg 300w, https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/73216822_2535256040078073_5833655908365762560_n-768x526.jpg 768w, https:\/\/www.friedhofstribuene.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/73216822_2535256040078073_5833655908365762560_n.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aus unserer Geschichte gelernt &#8211; gegen jeden Antisemitismus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Mitglied eines Vereins tendiert man gerne dazu, die eigene Vergangenheit in einem weicheren Licht zu sehen. 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