“Dächer für alle!” Fare Action Week der Friedhofstribüne beim Spiel gegen Traiskirchen

Im Rahmen der Fare Wochen wollen die Freund*innen der Friedhofstribüne auf das Thema Obdachlosigkeit aufmerksam machen, insbesondere auch auf das Konzept Housing First als Lösungsansatz. 

Wir haben nun endlich ein  Dach über der Friedhofstribüne, viel zu viele Menschen entbehren ein solches Tag für Tag. Unser Fare Motto lautet daher heuer “Dächer für alle”. 

Dazu wird es beim  Spiel gegen Traiskirchen ein Banner geben und wir sammeln Geld für den Augustin. Die Sammelboxen findet ihr im Flag. Ausserdem könnt ihr eure alten T-Shirts beim FHT Merch spenden, die Einnahmen aus dem Wiederverkauf gehen ebenfalls an den Augustin.

Unser Team wird zudem mit dem ofiziellen Banner der FARE Woche auflaufen „Rassismus verliert immer“.
Mehr Infos zur FARE Woche findet ihr unter 
https://www.fairplay.or.at/news/news/fairplay-aktionswochen-2026-rassismus-verliert-immer

Was das Konzept Housing First und wie der Stand dazu in Österreich ist, darüber informiert euch der folgende Text von Martin Orner.

Housing First

Obdach- und Wohnungslosigkeit sind die gravierendsten Verletzungen des Rechts auf Wohnen – niemand sollte ohne ein eigenes Dach über dem Kopf, ohne einen privaten Rückzugsraum, leben müssen, jede:r hat das Recht, ein selbständiges Leben in der eigenen Wohnung zu führen. Housing First ist ein Konzept, das sehr erfolgreich einen Beitrag dazu leistet, Obdachlosigkeit zu beseitigen.

Das Konzept Housing First wurde in Finnland entwickelt und wird dort seit 2008 eingesetzt. Damit konnte in mehr als 10 Jahren die Zahl der Wohnungslosen halbiert werden. Die aktuelle konservative Regierung in Finnland hat allerdings die Mittel für das Projekt gekürzt.

Während in der klassischen Wohnungslosenhilfe die Betroffenen sich in einem System von Heimen und betreutem Wohnen eine eigene Wohnung durch Wohlverhalten verdienen müssen, geht man bei Housing First einen anderen Weg. Wer die Wohnung verliert, bekommt als erste Maßnahme eine neue Wohnung mit eigenem Mietvertrag – dann kümmert sich die Sozialarbeit um alle anderen Probleme der Betroffenen. Das gibt den Menschen nicht nur die Sicherheit einer eigenen Wohnung mit eigenem Mietvertrag, sondern auch die Würde, nicht als Bittsteller auftreten zu müssen.

In Österreich wurde das Modell vor rund 15 Jahren eingeführt. Primär haben sich gemeinnützige Wohnungsunternehmen bereit erklärt, Wohnungen zur Verfügung zu stellen und mit Sozialorganisationen zusammenzuarbeiten. Seit 2021 unterstützt das Sozialministerium das Programm, seit einigen Jahren hat das Ministerium das Modell „Wohnschirm Housing First“ etabliert. Gemeinsam mit dem „Wohnschirm Miete“ – das Programm unterstützt bei drohendem Wohnungsverlust – soll damit auch ein Beitrag zur Erreichung des Lissabon-Ziels – die Beseitigung von Obdachlosigkeit bis 2030 – geleistet werden.

Von diesem – völkerrechtlich verbindlichem – Ziel ist Österreich so wie die meisten anderen Mitgliedsstaaten der EU allerdings noch weit entfernt. Die Delogierungszahlen steigen seit COVID wieder an, die Zahl der offiziell von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen – rund 22.000 pro Jahr – steigt ebenfalls leicht an. Versteckte Wohnungslosigkeit wird bislang nicht einmal erhoben. So positiv die Arbeit des Sozialministeriums, der Sozialorganisationen, der gemeinnützigen und privaten Vermieter:innen auch ist – es braucht viel mehr, um diese Menschenrechtsverletzung zu beseitigen.

 

 

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