Ein Jahr Fußball und soziale Inklusion

Mit dem Abschluss der Fare-Aktionswochen beim vergangenen Heimmatch gegen Ebreichsdorf fand auch ein Projekt seinen Abschluss, bei dem die Freund_innen der Friedhofstribüne von pro supporters zur Mitarbeit eingeladen wurden. Seit dem Beginn anlässlich der Fare-Aktionswochen 2014 wurden die Aktionen der Fans der Friedhofstribüne begleitet und dokumentiert. Ziel war es Best-Practice-Beispiele zu finden, wie Fußball als offener, gewaltfreier und kommunikativ sozialer Raum erlebt werden kann. Kurz: wie man Menschen unabhängig von ihrer Herkunft sozial einbinden kann.

Aber zunächst einmal zurück zum Anfang. pro supporters gibt es seit 2012 und ist beim Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC) als Koordinationsstelle für Fanarbeit in Österreich angesiedelt. Die Organisation setzt es sich zum Ziel, nachhaltige Strukturen und Rahmenbedingungen für sozialpräventive Fanarbeit in Österreich zu schaffen und zu etablieren.
Das Projekt „Fußball & Soziale Inklusion“ mit der FHT ist hierbei also nur einer von vielen Bausteinen, der in einem ersten Schritt im Modul „Prävention durch Bildung“ in die Aus- und Weiterbildungsarbeit von pro supporters einfließen wird. In einem zweiten Schritt im Handbuch „Sozialpräventive Fanarbeit in Österreich“ soll das Projekt auch als Best-Practice-Beispiel dienen.

Neben der Anerkennung und Würdigung der Vereinsarbeit seitens der Freund_innen war für uns die Möglichkeit die geleistete Arbeit zu dokumentieren und auch Feedback einholen zu können, ein wichtiger Teil des Projekts. Es soll uns dabei helfen, wie wir unser Ziel – nämlich langfristig sozial inklusiv zu wirken – besser erreichen können, wie auch auch andere Fußballfans und Fanvereinigungen ermutigt werden können, mit diesem Ziel aktiv zu werden.
In der Tat wurde dank der Mithilfe zahlreicher Helfer_innen eine Vielzahl der Aktionen initiiert bzw. beteiligten sich Angehörige der Freund_innen der FHT an diversen Projekten. Einiges davon ist der/m aufmerksamen Alszeilen-Leser_in und Besucher_in des Sportclubplatzes bereits vertraut. Hier seien nur kurz Aktionen im Stadion (Banner, Flyer und Choreographien), die Organisation der Auswärtsfahrten zu Spielen des WSK und das Fundraising für den WSK, seinen Nachwuchs, die Frauensektion, den WSC sowie die Organisation des Ute Bock Cup genannt.

Weniger bekannt ist vielleicht, dass hinter diesen Begleiterscheinungen des Fußballs sauviel Arbeit und Eigenmotivation steckt. Manch einer scheint zu glauben, dass dies alles von einer großen, hierarchisch strukturierten und überwiegend erwerbslosen Gruppe geleistet wird, die eh nix besseres zu tun hat, als die Welt zu verbessern oder – noch schlimmer – sich selbst profilieren zu wollen. Im Gegenteil! Hinter jeder Aktion steckt individuelles Engagement und der Wunsch mit Gleichgesinnten etwas auf die Beine zu stellen, um letztlich andere Menschen für Fußball als verbindendes, kommunikatives und gewaltfreies Erlebnis zu begeistern – und dies zusätzlich. Nämlich zusätzlich zu Familienleben, Broterwerb und Ausbildung und ja, es gibt auch noch ein Leben außerhalb des Sportclubplatzes.
Also was ist noch so passiert in diesem Jahr? Während in vorangegangenen Jahren bei der FARE-Woche der Fokus auf stadionbezogene Diskriminierung gelegt wurde, haben wir letztes Jahr entschieden gegen die Diskriminierungen von Menschen, die auf das Betteln angewiesen sind, einzutreten und für die strukturellen Bedingungen von Armut zu bekämpfen (vgl. Alszeilen #6/14).

Im November fand dann zunächst die Theateraufführung „Jugoslav je Jugoslav“ statt, die als eine Fußballreise „als Spiegelbild politischer und familiärer Dramen (…) durch das Jugoslawien des 20. Jahrhunderts” führt (vgl. Alszeilen #7/14). Die Winterpause wurde im Anschluss dafür genutzt, die lange virulente Idee der Beschriftung der Stiegen hinauf zum Flag umzusetzen, das Neujahrskonzert unter Beteiligung von 4 Wiener Bands und die als Kick-off-Veranstaltung zum Ute Bock Cup durchgeführte Dokumentarfilm-Vorführung „Da.sein“ mit anschließender Diskussion zum Thema „Fußball und Leben ohne Papiere“ zu organisieren.

Am personell umfangreichsten und organisatorisch zeitaufwändigsten waren neben der Vorbereitung des Ute Bock Cup dann in diesem Jahr die Mitgründung des Vereines „Fußballfreunde gegen Homophobie Österreich“, bei der zahlreiche Freund_innen engagiert sind. Schön, dass mit der bunten Luftballonchoreographie beim Derby gegen die Vienna inmitten einer breiten Öffentlichkeit ein Zeichen gegen Homophobie gesetzt werden konnte (vgl. Alszeilen #9/14).

Text: pro supporters & FHT

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